Körperwunder: Augenblick mal


“Die Augen sind die Fenster der Seele”
Hildegard von Bingen

„Kein Organ erfreut sich einer so vielfältigen Beziehung zu dem übrigen Teil des Organismus wie dieses, und keines gleicht ihm hinsichtlich des bewunderungswürdigen Baues. Ungewöhnlich ist hier der Reichtum an Nerven; kein Organ hat einen so fein organisierten, eigens dafür bestimmten Bewegungsapparat. Alle Gewebsarten von der äusseren Haut bis zur feinsten Schleimhaut sind im Auge vertreten, und es wird durch anderweitige Leiden vielfach in Mitleidenschaft gezogen. Wie der Mensch als kleine Welt im Verhältnis zum Weltall betrachtet werden kann, ebenso muss man das Auge als einen Mikrokosmos im Verhältnis zum individuellen Menschen ansehen, in dem sich seine Seele und sein Körper spiegeln.“(Zitat v. Bernhard Aschner, aus „Der Arzt als Schicksal“).

Man könnte den Stellenwert des Auges nicht besser beschreiben und jeder kann ihn nachvollziehen, da wir doch vor allem mit den Augen die Welt erfassen und begreifen. Weniges ist uns in organischer Hinsicht so kostbar wie unser „Augapfel“, was sich sprachlich in Ausdrücken wie „etwas wie seinen Augapfel hüten“ niederschlägt. Darüber hinaus verleihen uns die Augen die vielfältige Ausdruckweise von Emotionen, und dienen somit der Kommunikation.

Die Augenhöhle (Orbita) ist ein Hohlraum, der von verschiedenen Knochen des Gesichtsschädels umschlossen wird. Im vorderen Teil liegt der Augapfel (Bulbus Oculi), im hinteren Teil (Retrobulbärraum) befinden sich ein Fettgewebskörper (Corpus adiposum orbitae), die äußeren Augenmuskeln, sowie Gefäß- und Nervenstrukturen. Zwischen Augapfel und Fettgewebskörper liegt ein lymphhaltiger Zwischenraum, der als Gleitlager dient und sozusagen gelenkähnlich die große Beweglichkeit des Augapfels in alle Richtungen ermöglicht.

Das Auge wird durch 6 äußere quergestreifte Augenmuskeln bewegt:

  • dem geraden oberen und unteren Muskel(M.rectus superior & inferior),
  • dem geraden äußeren und inneren Muskel(M.rectus lateralis & medialis),
  • dem schrägen oberen und unteren Muskel(M.obliquus superior & inferior).

Diese Muskeln werden wiederum von 3 Hirnnerven versorgt (N. Abducens – äußerer gerader Muskel, N. Trochlearis – oberer schräger, N. Oculomotorius – alle anderen Muskeln).Auch das betont die Wichtigkeit des Auges, da 3 von insgesamt 12 Hirnnerven nur der Innervation des Auges dienen.

Der Augapfel besteht aus Glaskörper (Corpus vitreum) und dem lichtbrechenden Apparat von Hornhaut und Linse(Lens) mit der Photorezeptorenschicht der Netzhaut.(Retina) Die Linse ist ein bikonvexer Körper, mit ca. 9mm Durchmesser und 4 mm Dicke. Der Augapfel ist von 3 Schichten umgeben:

  1. der Augenhaut, die vorne aus der durchsichtigen Hornhaut (Cornea) und im mittleren und hinteren Teil aus der weißen,,undurchsichtigen Lederhaut(Sclera) besteht. Die Lederhaut setzt sich in die äußere Hülle des Sehnervs fort. Die Cornea trägt 2/3 zur gesamten Brechkraft bei(das restliche 1/3 stellt die Linse).
  2. der mittleren Augenhaut (Uvea). Sie ist die Hauptgefäßschicht. Von innen nach außen besteht sie aus der Regenbogenhaut (Iris), dem Ziliarkörper (Corpus ciliare) und der Aderhaut (Choroidea). Die Iris umgibt das Sehloch (Pupille) und reguliert im Sinne einer Blende den Lichteinfall in den Augapfel. Ihr Melaningehalt bestimmt die Augenfarbe.
  3. der inneren sensorischen Netzhaut (Retina). Hier liegen die Photorezeptoren: 120 Mio. Stäbchen und 6 Mio. Zapfen. Die Stäbchen dienen dem Dämmerungssehen, d.h. der Wahrnehmung von Helligkeitsunterschieden, die Zapfen dem Farbsehen. Hier wird das Licht von Sinneszellen wahrgenommen und die Nervenimpulse durch den Sehnerv ans Gehirn weitergeleitet.

Tatsächlich sehen wir die Welt sozusagen verkehrt, denn was links ist wird rechts , was rechts ist links auf der Retina des Auges abgebildet. Aber durch die Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) und die Weiterverarbeitung im Gehirn wird das endgültige Bild richtig zusammen gesetzt, wodurch wir die Welt wahrnehmen wie sie ist.

Der Tiefeneindruck entsteht dadurch, dass jedes der beiden Augen die Umwelt aus einem etwas anderen Blickwinkel wahrnimmt, wodurch die Bilder auf der Netzhaut geringfügig gegeneinander verschoben sind. Diese werden bei der Signalverarbeitung im Gehirn dann zum räumlichen Eindruck vereint. Darüber hinaus liegt an der Austrittsstelle des Sehnervs der sogenannte ‘blinde Fleck’, d.h. hier sehen wir nichts, da hier die Photosensoren fehlen. Diesen blinden Fleck nehmen wir jedoch nicht bewußt war, durch die Überschneidung unserer Gesichtsfelder beim beidäugigen Sehen.

Schlussfolgernd kann man sagen, dass eine Änderung des Blickwinkels Tiefe schafft. Und wir aufgrund des blinden Flecks auf liebe Mitmenschen angewiesen sind, die uns auf das ein oder andere, was wir nicht bewußt wahrnehmen, aufmerksam machen.

Quelle:

  1. „Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen“, Thews/Mutschler/Vaupel
  2. „Last Minute Anatomie“, Rengier/Jaschinski/Holtmann
  3. http://flexikon.doccheck.com/de/Auge

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