Körperwunder: Das Riechorgan – einfach dufte!


„Das beste Gedächtnis hat bekanntlich die Nase!“
Kurt Tucholsky

Janusz Klosowski / pixelio.de

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Man sagt, dass Düfte die Sinne betören und manche Gerüche die Stimmung beeinflussen, die Menschen freundlich stimmen und sogar die geistige Beweglichkeit steigern können. Und in der Tat bringt die Wahrnehmung von Gerüchen oft eine Änderung der Affektlage mit sich, d.h. die meisten Geruchsempfindungen werden als angenehm oder unangenehm wahrgenommen.

Diese Gefühlskomponente ist allerdings nicht angeboren, sondern erworben, und vom aktuellen Zustand des Organismus (z.B. Hunger) abhängig. Gerüche bleiben sehr lange im Gedächtnis und werden auch noch nach vielen Jahren mühelos erkannt.

Der Geruchssinn spielt als ‚Fern- und Nahsinn‘ eine Rolle, vor allem bei der Nahrungssuche und -aufnahme, sowie bei der Regelung sozialer Beziehungen. Riechempfindungen lassen den Menschen beim Atmen, Essen und Trinken die Aufnahme schädlicher Stoffe meiden (z.B. Gas- und Brandgeruch, die zu Schutzreaktionen wie Luft anhalten, Niesen, Würgen führen). Jeder Duftstoff aktiviert in der menschlichen Nase einen oder mehrere Geruchsrezeptoren. Mit ungefähr 1.000 Genen stellen diese die größte Genfamilie des Menschen.

Die Riechschleimhaut mit zahlreichen Riechnerven liegt im Bereich der oberen Nasenmuschel und beidseits der oberen Nasenscheidewand. Sie umfasst ein ca. 2-3 cm² großes Areal und enthält ca. 10 Mio. Riechzellen. Diese Nervenzellen haben eine Lebensdauer von einigen Wochen und müssen somit regelmäßig erneuert werden. Sie tragen am oberen Ende eine kleine Verdickung, den Riechkolben mit zahlreichen Riechhärchen. Ihre unteren Fortsätze verlaufen durch das Siebbein(siebartig durchlöcherte Knochenplatte)und enden synaptisch an den Nervenzellen des Riechnervs (Nervus olfactorius), dem 1. und ältesten der 12 Hirnnerven.

Der N. olfactorius weist eine Besonderheit auf, denn er ist kein echter peripherer Nerv, sondern eigentlich ein vorgeschobener Teil des Großhirns. Er teilt sich in 2 Stränge. Der erste Strang zieht über das limbische System zum sog. Riechhirn (Primär- und Assoziationsgebiet im Gehirn), wo die entsprechenden Sinneseindrücke entstehen. Vom zweiten Strang bestehen u.a. Verbindungen zum limbischen System, Thalamus und Hypothalamus. So können die im Riechhirn bewusst werdenden Gerüche zu emotionalen Reaktionen führen.

Nimmt man einen Geruch wahr, lässt die Empfindlichkeit gegenüber diesem schnell nach und man bemerkt ihn nicht mehr. Man spricht hier von Adaption. Wenn man also einen seiner Mitmenschen „nicht riechen“ kann, sollte sich auch das ziemlich schnell relativieren und ein brüderliches Miteinander dennoch ermöglichen. Welche intelligenten Notlösungen doch in den menschlichen Körper mit eingebaut sind, ist also auch in diesem Falle – einfach dufte.

Quellen:
1. ‚Lehrbuch der Anatomie‘, Lippert
2. ‚Last minute Biochemie‘, Pfau/Adolph/Bock/Jacobi
3. ‚Der Körper des Menschen‘ Faller