Körperwunder: Herzklopfen


“Alle Men­schen haben zwar das Herz an der­sel­ben Stelle, aber nicht alle auf dem recht­en Fleck.”

Ver­fass­er unbekan­nt

Ken­nen Sie das Gefühl, wenn das Herz bis zum Hals schlägt? Tra­gen sie Ihr Herz auf der Zunge? Ist Ihnen schon ein­mal ein Stein vom Herzen gefall­en? Rutscht Ihnen das Herz in die Hose wenn Sie aufgeregt sind? Es gibt unglaublich viele Redewen­dun­gen über das Herz, was die enorme Bedeu­tung dieses Organs betont. Wir hören auf unser Herz, prüfen alles auf Herz und Nieren, und haben das Herz hof­fentlich am recht­en Fleck.

Das Herz ist ca. faust­groß, wiegt nur zwis­chen 250 und 320 g und den­noch ist es sehr mächtig, denn es ist unser „Lebens­mo­tor“ und ver­sorgt den gesamten Kör­p­er mit Blut und Sauer­stoff.

Das Herz ist ein autonomer Muskel aus quergestreifter Musku­latur. Es hat die Form eines abges­tumpften Kegels, liegt im linken Brustko­rb, im soge­nan­nten Medi­astinum (Mit­telfell­raum) auf ein­er Ebene von ca. 45%. Es wird  bei­d­seits von den Lun­gen­flügeln begren­zt, durch die Rip­pen geschützt und berührt vorne das Brustbein(Sternum). Im Ein­klang mit jed­er Atem­be­we­gung des Zwer­ch­fells, der Rip­pen und der Lun­gen, verän­dert das Herz seine Lage entsprechend mit.

Das Herz ist ein Hohlor­gan und beste­ht aus 2 Vorhöfen und 2 Kam­mern. Funk­tionell wird es in 2 Teile gegliedert, das rechte und linke Herz mit jew­eils einem kleineren Vorhof und ein­er größeren Kam­mer, getren­nt durch eine Schei­de­wand,. Der rechte Vorhof nimmt das Blut aus dem )(Venen­sys­tem des) Kör­perkreis­lauf auf und leit­et es in die rechte Kam­mer weit­er, von wo aus es in die Lunge gepumpt wird. Der linke Vorhof nimmt par­al­lel das sauer­stof­fre­iche Blut der Lun­gen­ve­nen auf, und dieses wird dann von der linken Kam­mer über die Aor­ta in den Kör­perkreis­lauf aus­ge­wor­fen.

Die Auf­gabe, das Blut in den großen Kör­perkreis­lauf auszutreiben erfüllt das Herz also durch die rhyth­mis­che Erschlaf­fung und Kon­trak­tion der Kam­mern. Die Erschlaf­fungsphase wird als Dias­tole, die Kon­trak­tion­sphase als Sys­tole beze­ich­net. Die Auswur­fkraft kann über den Blut­druck gemessen wer­den (der obere Wert beze­ich­net die Sys­tole, der niedrigere die Dias­tole).

Die Herz­muskelkon­trak­tion muß aber koor­diniert wer­den, was durch das Erre­gungsleitungssys­tem erfol­gt. D.h. mit­tels spezieller Herz­muskelzellen, die Akti­ionspo­ten­tiale gener­ieren kön­nen. Der Haupt­tak­t­ge­ber ist der soge­nan­nte „Sinus­knoten“ mit ein­er Ruhe­fre­quenz von 60–80 Schlä­gen pro Minute. Er leit­et die Erre­gung rasend schnell (2–4 m/s) über mehrere Sta­tio­nen (AV-Knoten, His-Bün­del, Tawara Schenkel) weit­er an die soge­nan­nten Purkinje-Fasern(Endaufzweigungen) und dann erfol­gt die Muskelkon­trak­tion. Dieser gesamte Aus­bre­itungsvor­gang dauert nur ca. 70 Mil­lisekun­den.

Fällt der Sinus­knoten aus, kann der AV-Knoten ein­sprin­gen, mit ein­er etwas niedrigeren Eigen­fre­quenz von 40–50 Schlä­gen pro Minute. Kommt es zu ein­er total­en Unter­brechung der Erre­gungsleitung von den Vorhöfen auf die Kam­mern, so kann ein ter­tiäres Erre­gungs­bild­ngszen­trum mit ein­er Fre­quenz von 25–40 Schlä­gen pro Minuten als Schrittmach­er fungieren. Damit hat unser Herz ein per­fekt aus­gek­lügeltes Sicher­heitssys­tem.

Es gäbe noch viel mehr über dieses faszinierende Organ zu sagen und es ist sehr erstaunlich, was es alles aushält. Es erträgt Ver­nach­läs­si­gung und eine unge­sunde Leben­sart meist viele Jahrzehnte bevor es erste Anze­ichen ein­er Über­beanspruchung zu zeigen begin­nt und kann auch noch mit ein­er reduzierten Leis­tung von bis zu 80%  Leben garantieren. Aber das faszinierend­ste am Herzen mein­er Mei­n­ung nach ist, dass es unun­ter­brochen schlägt — ohne eine einzige Pause – und das für durch­schnit­tlich 77 bis 82 Jahren.

Angesichts dieser unglaublichen Leis­tung soll­ten Sie sich also so wenig wie möglich zu Herzen nehmen. Denn ein fro­hes Herz, gesun­des Blut ist bess­er als viel Geld und Gut!

Quelle:

  1. „Last Minute Anatomie“, Rengier/Jaschinski/Holtmann
  2. „Anatomie, Phys­i­olo­gie, Patho­phys­i­olo­gie des Men­schen“, Thews/Mutschler/Vaupel
  3. Sta­tis­tis­ches Bun­de­samt