Körperwunder: Herzklopfen


“Alle Menschen haben zwar das Herz an derselben Stelle, aber nicht alle auf dem rechten Fleck.”
Verfasser unbekannt

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M. Großmann / pixelio.de

Kennen Sie das Gefühl, wenn das Herz bis zum Hals schlägt? Tragen sie Ihr Herz auf der Zunge? Ist Ihnen schon einmal ein Stein vom Herzen gefallen? Rutscht Ihnen das Herz in die Hose wenn Sie aufgeregt sind? Es gibt unglaublich viele Redewendungen über das Herz, was die enorme Bedeutung dieses Organs betont. Wir hören auf unser Herz, prüfen alles auf Herz und Nieren, und haben das Herz hoffentlich am rechten Fleck.

Das Herz ist ca. faustgroß, wiegt nur zwischen 250 und 320 g und dennoch ist es sehr mächtig, denn es ist unser „Lebensmotor“ und versorgt den gesamten Körper mit Blut und Sauerstoff.

Das Herz ist ein autonomer Muskel aus quergestreifter Muskulatur. Es hat die Form eines abgestumpften Kegels, liegt im linken Brustkorb, im sogenannten Mediastinum (Mittelfellraum) auf einer Ebene von ca. 45%. Es wird  beidseits von den Lungenflügeln begrenzt, durch die Rippen geschützt und berührt vorne das Brustbein(Sternum). Im Einklang mit jeder Atembewegung des Zwerchfells, der Rippen und der Lungen, verändert das Herz seine Lage entsprechend mit.

Das Herz ist ein Hohlorgan und besteht aus 2 Vorhöfen und 2 Kammern. Funktionell wird es in 2 Teile gegliedert, das rechte und linke Herz mit jeweils einem kleineren Vorhof und einer größeren Kammer, getrennt durch eine Scheidewand,. Der rechte Vorhof nimmt das Blut aus dem )(Venensystem des) Körperkreislauf auf und leitet es in die rechte Kammer weiter, von wo aus es in die Lunge gepumpt wird. Der linke Vorhof nimmt parallel das sauerstoffreiche Blut der Lungenvenen auf, und dieses wird dann von der linken Kammer über die Aorta in den Körperkreislauf ausgeworfen.

Die Aufgabe, das Blut in den großen Körperkreislauf auszutreiben erfüllt das Herz also durch die rhythmische Erschlaffung und Kontraktion der Kammern. Die Erschlaffungsphase wird als Diastole, die Kontraktionsphase als Systole bezeichnet. Die Auswurfkraft kann über den Blutdruck gemessen werden (der obere Wert bezeichnet die Systole, der niedrigere die Diastole).

Die Herzmuskelkontraktion muß aber koordiniert werden, was durch das Erregungsleitungssystem erfolgt. D.h. mittels spezieller Herzmuskelzellen, die Aktiionspotentiale generieren können. Der Haupttaktgeber ist der sogenannte „Sinusknoten“ mit einer Ruhefrequenz von 60-80 Schlägen pro Minute. Er leitet die Erregung rasend schnell (2-4 m/s) über mehrere Stationen (AV-Knoten, His-Bündel, Tawara Schenkel) weiter an die sogenannten Purkinje-Fasern(Endaufzweigungen) und dann erfolgt die Muskelkontraktion. Dieser gesamte Ausbreitungsvorgang dauert nur ca. 70 Millisekunden.

Fällt der Sinusknoten aus, kann der AV-Knoten einspringen, mit einer etwas niedrigeren Eigenfrequenz von 40-50 Schlägen pro Minute. Kommt es zu einer totalen Unterbrechung der Erregungsleitung von den Vorhöfen auf die Kammern, so kann ein tertiäres Erregungsbildngszentrum mit einer Frequenz von 25-40 Schlägen pro Minuten als Schrittmacher fungieren. Damit hat unser Herz ein perfekt ausgeklügeltes Sicherheitssystem.

Es gäbe noch viel mehr über dieses faszinierende Organ zu sagen und es ist sehr erstaunlich, was es alles aushält. Es erträgt Vernachlässigung und eine ungesunde Lebensart meist viele Jahrzehnte bevor es erste Anzeichen einer Überbeanspruchung zu zeigen beginnt und kann auch noch mit einer reduzierten Leistung von bis zu 80%  Leben garantieren. Aber das faszinierendste am Herzen meiner Meinung nach ist, dass es ununterbrochen schlägt – ohne eine einzige Pause – und das für durchschnittlich 77 bis 82 Jahren.

Angesichts dieser unglaublichen Leistung sollten Sie sich also so wenig wie möglich zu Herzen nehmen. Denn ein frohes Herz, gesundes Blut ist besser als viel Geld und Gut!

Quelle:

  1. „Last Minute Anatomie“, Rengier/Jaschinski/Holtmann
  2. „Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen“, Thews/Mutschler/Vaupel
  3. Statistisches Bundesamt