Schön gesund? Vom irreführenden Ideal der Attraktivität


S. Hofschlaeger / pixelio.de

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Wer wünscht sie sich nicht – die Schönheit, die Attraktivität, das prall gesunde Aussehen? Aber ist, was wir als schön empfinden auch wirklich gesund? Nicht unbedingt.

Anhand der Pathophysiognomik würde ich gerne einen Eindruck davon vermitteln, warum unser Blick so manches mal verstellt ist und uns in mancherlei Hinsicht etwas für schön verkauft wird, was im Grunde ein Anzeichen von Krankheit ist.

Die Annahme, dass Krankheit die Ausdrucksform und das äußere Erscheinungsbild eines Menschen verändert, haben bereits die alten Meister der Medizin wie u.a. Hippokrates (460-370 v.Chr.), Paracelsus (1493-1541), Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836) und Wilhelm Heinrich Schüssler (1821-1898) beschäftigt. So wie wir zum Beispiel von der Haltung eines Menschen gewisse Rückschlüsse auf eventuell vorliegende Probleme im Skelett- und Muskelapparat ziehen können, so spiegelt auch die Gesichtshaut als Entgiftungsorgan bereits recht früh Krankheitsvorgänge, die unter Umständen noch gar nicht (als Symptom) spürbar sind. Diese Erkenntnis sowie die auf Erfahrung beruhende Theorie, dass gewisse Gesichtsteile mit bestimmten inneren Körperorganen korrespondieren, liegt der Pathophysiognomik zugrunde(von gr. Pathos = Leiden, Schmerz und gr. physiognomia = Lehre vom Urteilen nach der Erscheinung der Natur, des Körperbaus, der Gesichtszüge).

Auf der Basis bereits vorher gesammelter Erkenntnisse hat Natale Ferronato über einen Zeitraum von 55 Jahren Forschungen zur Pathophysiognomik durchgeführt und in ein in dieser Form zuvor nicht verfügbares System zusammen gefasst. Diese Lehre bildet die Basis der folgenden Betrachtungen.

Vor allem Frauen werden heutzutage überschwemmt mit der Darstellung der attraktiven Frau und Tips wie man diesem Ideal gerecht werden kann. Man blickt auf Personen des öffentlichen Lebens, (Schauspielerinnen, Sängerinnen, Models und so weiter) und stellt diese als strahlende, beneidenswerte Ikonen vitaler Attraktivität dar. Die daraus unbewußt oft gezogene Schlußfolgerung, dass dieses Ideal nicht nur schön, sondern auch gesund ist, ist leider nur zu geringen Teilen richtig.

So werden denn durch geschickt aufgetragenes Rouge gerötete Wangen als Zeichen der Strahlung und Frische angepriesen. Gemäß der Pathophysiognomik sind jedoch gerötete Wangen in dieser Form entweder ein Zeichen einer Herzproblematik (z.B. Mitralstenose, eines Herzfehlers), oder einer vorliegenden Eiweißstoffwechselstörung. Gesunde Haut zeigt eine gleichmäßige Färbung auf.

Der Mund zeigt in der Pathophysiognomik den Gesundheitszustand des Darmes auf. Laut gängigem Schönheitsideal sollte er wenn möglich eher üppig, prall, rot, mit scharfen Konturen und glänzenden Lippen sein. Zwar sollten die Lippen idealerweise ein klares Rot aufweisen und das Lippenrot klar gegenüber der Gesichtshaut abgegrenzt sein. Aber befeuchtetes Lippenrot glänzt normalerweise nicht. Glanz weist auf Stauungen innerhalb der Darmpassage hin. Erscheint das Lippenrot wie blass getönt – wie es zur Zeit als „Nude-Look“ sehr gefragt ist – weist dies auf eine verminderte Fähigkeit der Schleimhaut hin, Nahrungsbestandteile vollständig resorbieren zu können. Was wiederum zu einem Mangel im Körper führt.

Ist die Unterlippe prall gespannt, was viele Frauen anstreben – wenn nicht auf natürlichem Wege – dann zwischenzeitlich evtl. durch eine künstliche Aufpolsterung – dann weist das auf eine Dysbiose hin, das heißt eine aus der Balance geratene Zusammensetzung der Darmflora.

Erscheint der Bereich ober- oder unterhalb der Lippen wulstig und/oder mit einem schmalen weißem Rand, was den Lippen ein volleres Aussehen verleiht, ist das ein Zeichen für einen Stau innerhalb der Darmgefäße, oder einer Verminderung der Transportfähigkeit, was gesundheitlich schlimme Verdauungsprobleme verursachen kann. Dieses Anzeichen habe ich bereits häufig in Werbefotos beobachtet. Und das obwohl solche Werbefotos prinzipiell retouchiert sind! Wenn man versteht, dass diese Werbeträgerinnen vermutlich unter Meteorismus, Verstopfung (Obstipation) und fauligen Gärungsprozessen im Darm leiden, erscheinen sie im Nu etwas weniger beneidenswert.

Die Augen werden auch als Spiegel der Seele bezeichnet, und als allgemein schön gelten große strahlende Augen mit langen Wimpern. Ein bekannter Kosmetiktrick, um seine Augen größer erscheinen zu lassen, ist es weißen Kajalstift ins Augeninnenlid aufzutragen. Äußerlich betrachtet funktioniert das, da es das Auge optisch vergrößert. Was jedoch die Gesundheit angeht, ist ein derart blasses Innenlid ein Zeichen für eine Anämie, die sogenannte Blutarmut.

Ein weiteres Zeichen von Attraktivität, das tatsächlich an einer Mehrzahl der ‘Celebrities’ zu beobachten ist, ist das Nichtvorhandensein einer Nasolabialfalte. Das ist die durchgehende, deutliche Falte, die seitlich der Nasenflügel beginnt und bis kurz vor die Mundwinkel reicht. Keine sichtbare Nasolabialfalte zu haben soll ein jugendlich straffes Aussehen verleihen und erscheint damit erstrebenswert. Tatsächlich verhält es sich aber so, dass bei Menschen mit einem gesunden Herzen eine klare, deutlich durchgezogene Nasolabialfalte vorhanden ist, die im Querschnitt die Form eines leicht geschwungenen, weiten „V“ aufweist. Ist die Nasolabialfalte sehr flach ist das ein Hinweis auf Stress, Anspannung, Herzschwäche oder mangelnde Durchblutung. Je gespannter das Gewebe im Bereich der – eher flach ausgebildeten – Herzfalte ist, desto angespannter ist der Zustand des Herzmuskels.

Man könnte diese Liste der als schön verkauften Äußerlichkeiten, die im klaren Widerspruch zu einem gesunden Aussehen stehen beinahe beliebig fortführen. Die Medien scheinen sehr gute Arbeit zu leisten, wenn es darum geht uns ein irreführendes Schönheitsideal einzutrichtern, denn im Grunde wird ein gesunder Mensch eine vitalere Ausstrahlungskraft haben als einer, dessen Krankheitsanzeichen ihm bereits ins Gesicht geschrieben stehen. Aber manches Mal sind wir bereits so mit diesem „verfälschten“ Ideal geimpft, dass unsere Wahrnehmungskraft diesbezüglich getrübt ist.

Dennoch wird man meiner Meinung nach als guter Beobachter vielen Menschen begegnen, die nicht im herkömmlichen Sinne schön sind, und die man trotzdem als strahlend, vital und sehr attraktiv empfindet, und die dadurch die Blicke auf sich lenken.

Eventuell ist die Zeit reif, dass wir unser eigenes Schönheitsideal überprüfen und die Wichtigkeit mancher Äußerlichkeiten neu abwägen – weg von der angeblichen Schönheit und mehr hin zur vitalen Gesundheit, die einen auch im Alter noch nützen wird und viel mehr dazu beitragen kann, dass wir uns in unserer Haut wohlfühlen und mit Elan durchs Leben schreiten.

Quelle:

  1. Duden – Das Herkunftswörterbuch
  2. „Praxis Pathophysiognomik“, Natale Ferronato